Hervorgehoben

Either we all live in a decent world or nobody does. – George Orwell

Ich persönlich lebe in einer Welt, in der es mir gut geht. Meine Familie ist „heile“, ich habe gute Freunde, bin gut mit mir selbst im Einklang. Kleinigkeiten, allesamt. Also etwas größer: ich habe zu Essen, ein Dach überm Kopf, es herrscht Frieden in meiner Heimat, ich kann zur Schule gehen.

Aber dann sehe ich das Elend derer, die all dies nicht haben. Derjenigen, die ihre Familie, ihre Freunde, ihre Heimat verloren haben, die jeden Tag ums überleben kämpfen. Und ich schaffe es langsam einfach nicht mehr, das zu ignorieren. Wie kann ich glücklich mein kleines Stillleben vor mich hin leben, wenn anderswo Menschen verhungern oder für ihren Glauben erschossen werden, wenn Menschen keine Aussicht auf ein eigenständiges Leben haben, weil sie nicht zur Schule gehen können, wenn Menschen eingesperrt werden, weil sie ihre Meinung in der Öffentlichkeit Ausdruck verliehen haben?

Dann stehe ich da und weiß nicht, wo ich anfangen soll. Was kann ich schon bewirken? Ich bin selbst noch nicht einmal volljährig, gehe noch zur Schule, sodass ich noch nicht alt genug bin, um mich in einer Organisation bei Auslandeinsätzen zu engagieren. Und dann habe ich angefangen über Malala nachzudenken. Sie war elf Jahre alt, als sie anfing über die Ungerechtigkeit, die sie umgab, zu schreiben. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man eigentlich nicht zu jung sein kann, um aufzustehen. Manchmal braucht es nur einen Hunger nach Gerechtigkeit, der groß genug ist, um etwas zu bewegen.

Ich weiß nicht, ob dieser Text jemals etwas bewegen wird, aber wenigstens ist er ein Anfang, mit dem ich mir ein kleines bisschen Stimme verliehen habe.

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Hier stehe ich

Hier stehe ich.

Einfach so.

Auf einer Kugel, die durch die Unendlichkeit schwebt.

Auf einem Boden, der mich trägt.

Und zwischen Menschen, die mich lieben.

Hier steht sie.

Mühsam.

Ihre Welt eine Scheibe, die zu kippen droht.

Auf einem Boden, der gesprengt wurde.

Zwischen Menschen, die ihr nicht ins Gesicht sehen.

Hier stehe ich.

Einfach so.

Auf einem Planeten, dessen Meere vom Mond bewegt werden.

In einem Land, in dem ich wählen darf.

In einer Gesellschaft, in der wir alle gleich viel wert sind.

Hier steht sie.

Mühsam.

Auf einem Planeten, auf dem es Dürren gibt und auf dem sie hungern muss.

In einem Land, in dem sie keine Rechte hat.

In einer Gesellschaft, in der sie ganz unten steht.

Hier stehe ich.

Einfach so.

In einer Stadt, in der ich mich frei bewegen kann.

Auf Straßen, auf denen ich rennen kann.

Unter Dächern, die mich schützen.

Hier steht sie.

Mühsam.

In einer Stadt, in der sie sich verstecken muss.

Auf Straßen, auf denen man nur noch über Schutt stolpern kann.

Unter Dächern, die nur noch Ruinen sind.

Hier stehe ich.

Einfach so.

Und bemitleide mich.

Weil ich meine Lieblingsserie verpasst habe.

Weil ich den Zug nicht bekommen hab.

Hier steht sie.

Mühsam.

Und bemitleidet sich.

Weil sie nicht zur Schule gehen kann.

Weil man sie schlägt.

Hier stehe ich.

Einfach so.

Was für ein Glück.

Politics hates a vacuum. If it isn’t filled with hope, someone will fill it with fear. – Naomi Klein

In unserer Welt gibt es zu viel Vakuum, zum Beispiel in Ländern, in denen die Regierungslage in der Schwebe hängt, in denen nicht klar ist, wer was zu sagen und zu bestimmen hat. Wenn niemand sich dafür einsetzt, eine stabile Regierung zu etablieren und dieses Vakuum mit Hoffnung zu füllen, wird es mit Angst gefüllt und Terror, Zerstörung und Krieg übernehmen die Kontrolle.

Ich weiß nicht, ob ihr dieses Experiment kennt, bei dem man ein paar Schokoküsse unter einer Glaskuppel einem Vakuum aussetzt. Die Schokoküsse dehnen sich dabei aus und werden größer und größer. Sobald man wieder Luft unter die Glocke lässt, ziehen sie sich wieder zusammen. So ähnlich ist mit einem politischen Vakuum, denke ich. Wenn es nicht mit Hoffnung gefüllt wird, kann die Angst sich immer weiter ausdehnen. Aber genau wie bei dem Experiment braucht es jemanden, der den Hahn aufdreht und wieder Luft unter die Kuppel lässt und das, bevor sich die Schokoküsse sich so sehr ausdehnen, dass nur noch weißer Schaum zu sehen ist. Mich oder dich zum Beispiel!

Tolerance is the alpha and the omega of a new world order. – Mikhail Gorbachev

Ich habe Freunde, die sich bemühen so gut wie alles zu tolerieren. Mit persönlich fällt es manchmal schwerer, wirklich jedem Menschen mit Toleranz zu begegnen. Wenn zu Beispiel ein Mensch homophob ist, fällt es mir sehr schwer, das zu tolerieren. Ich habe aber auch Freunde, die hinter die Fassade blicken und versuchen zu verstehen, warum diese Menschen so denken, wie sie denken – eine Leistung, die mich immer wieder beeindruckt. Versteht mich nicht falsch, Toleranz ist nicht zwangsläufig das selbe, wie Akzeptanz, kann aber Hand in Hand mit ihr gehen. Wie ich vorher schon beschrieben habe, brauchen wir Menschen, die bestimmte Situationen und anscheinende Fakten nicht akzeptieren, damit sich etwas ändert.

Aber Toleranz bedeutet, sich auf eine Höhe mit seinem gegenüber zu begeben und zu versuchen, seinen Glauben, seine Ansichten oder seine Geschichte zu verstehen. Wenn wir nicht anfangen, die Religionen anderer, die Ansichten anderer, die Ängste und die Gefühle anderer zu tolerieren, dann kann es nie zu einer neuen Weltordnung kommen. Toleranz ist etwas, das wirklich schon im direkten Umfeld ansetzt: beim Vater, bei der Nachbarin, beim Supermarktverkäufer oder bei der Busfahrerin. Wenn wir es schaffen, in unserem Umfeld den anderen als Menschen mit einer Geschichte, mit Erlebnissen und Erfahrungen und einer ganz besonderen Persönlichkeit anzunehmen, dann ist vielleicht irgendwann – wann genau kann ich nicht sagen, es wird wohl noch eine Weile dauern – eine Welt ohne Glaubenskriege, Verfolgung Homosexueller oder Rassismus möglich.

Not everything that is faced can be changed, but nothing can be changed until it is faced. – James Baldwin

Damit fängt es an: man muss das Problem erkennen. Erst dann kann eine Veränderung folgen. Man kann nicht jedes Problem lösen, aber zu erkennen, dass überhaupt ein Problem vorhanden ist, das ist der erste Schritt. Wenn einen die Gleichung nicht interessiert, dann kommt man auch nie zu dem Punkt, an dem man darüber nachdenkt, was x sein könnte.

Wenn zum Beispiel nie jemand ein Problem in der Apartheid gesehen hätte, dann hätte man sie auch nie abgeschafft. Manchmal ignorieren alle die Gleichung (zum Beispiel, weil sie Mathe hassen… Eigentlich gut nachzuvollziehen). Dann braucht es einen Matheliebhaber, der aufspringt und schreit: „Schaut euch diese Gleichung an – wie offensichtlich sie ist! Wir müssen eine Lösung finden!“

Wir brauchen mehr Menschen, die Probleme nicht ignorieren sondern versuchen, sie zu lösen. Selbst, wenn diese Leute scheitern, haben sie es immerhin versucht.

Nur mit einem Versuch, kann es auch ein Ergebnis geben. Egal, wie das dann letztendlich ausfällt.

Malala Yousafzai (* 12. Juli 1997)

Alle kennen sie, alle lieben sie: Malala Yousafzai. Fragwürdig, dass man überhaupt noch etwas über sie sagen kann, dass man vorher noch nicht wusste. Ich versuch‘s trotzdem mal:

Malala wurde am 12. Juli 1997 im Swat-Tal im Nordwesten Pakistans geboren. Der Name Malala stammt von der Poetin und Volksheldin Malalai von Maiwand benannt. Diese führte 1880 die aufständischen Paschtunen gegen britische Truppen an.

Malala ist zehn Jahre alt, als die Taliban die Macht übernehmen. Sie beginnt im Alter von 11 Jahren unter dem Namen „Gul Makai“ (dt. „Kornblume“) einen Blog über ihr Leben unter der Unterdrückung der Taliban zu schreiben. Was für eine mutige Leistung, gegen die Unterdrücker des eigenen Landes eines Blog zu schreiben – mit 11 Jahren!

Ihr Blog beginnt mit dem Eintrag: „Morgen gehe ich wieder zur Schule“. Allein dieser Satz ist ein kleiner Aufstand für sich in einem Land, in dem es Mädchen verboten wird, zur Schule zu gehen.

Ihre Einträge sind einer der wenigen Augenzeugenberichte dieser Zeit.

Malalas Vater war damals Direktor einer Mädchenschule und unterstütze seine Tochter beim Schreiben. Die BBC bat ihn um Hilfe, da sie jemanden suchten, der oder die über das Leben unter den Taliban berichtete. Da die Eltern einer älteren Schülerin die Zusage aus Angst um das Leben ihrer Tochter zurückzogen, schlug er kurzerhand seine eigene Tochter vor.

Malala, die nun im eigenen Land bekannt wird und in Fernsehshows auftritt, von pakistanischen und internationalen Zeitungen interviewt wird und Vorträge hält, wagt das Unglaubliche und protestiert öffentlich gegen die Schließungen von Mädchenschulen. Sie bekommt dafür sogar den pakistanischen Jugend-Friedenspreis verliehen.

Obwohl sie weiß, dass sie in Gefahr ist, sagt sie sich: „Keine Angst, die Taliban erschießen keine kleinen Mädchen.“

Trotz des Umstandes, dass die Taliban im Oktober 2012 schon seit drei Jahren aus dem Swat-Tal von der pakistanischen Armee verdrängt wurden, bleibt die Gegend konservativ und Frauen gehen nur selten oder in Burka aus dem Haus.

Malala, die mittlerweile 15 ist, fährt am 9. Oktober 2012 wie normalerweise auch mit dem Schulbus nach Hause, als maskierte Taliban-Kämpfer den Bus stürmen. Niemand antwortet auf die Frage, wer Malala sei, doch alle sehen sie an, so erzählt Malala in ihrer Autobiografie „Ich bin Malala“, die in über 30 Sprachen übersetzt wurde. Sie war das einzige Mädchen mit unbedecktem Gesicht. Der Taliban-Kämpfer hob eine Pistole und schoss Malala aus nächster Nähe in den Kopf.

Nachdem in einem pakistanischen Militärkrankenhaus in einer Notoperation ein Teil ihrer beschädigten Schädeldecke entfernt wurde, wurde sie in ein Krankenhaus in Birmingham eingeflogen. Sie wurde noch mehrmals operiert erholte sich auf wundersame Weise von dem Attentat.

Seit dem Anschlag lebt Malala mit ihrer Familie in Großbritannien. An ihrem 16. Geburtstag hält sie eine beeindruckende Rede in den Vereinten Nationen. Sie fordert, dass jedes Kind zur Schule gehen können soll. „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern.“ – eines ihrer berühmtesten Zitate.

Malala erhielt schon viele Auszeichnungen und Ehrungen. Unteranderem 2014 den Friedensnobelpreis – als jüngste Kandidatin der Geschichte. Außerdem wurde sie mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet, der höchsten europäischen Menschenrechtsauszeichnung.

EU-Parlamentspräsident Marin Schulz sagte über Malala: „Malala hat nicht nur für ihr eigenes Recht auf Schulbesuch gekämpft, sondern sie hat auch andere Mädchen ermutigt, zur Schule zu gehen, in einem Land, in dem viele Erwachsene nicht diesen Mut haben.“

Irgendwann will Malala Yousafzai nach Pakistan zurückkehren und Premierministerin werden. Ich würde sie wählen…

We are only as great as our belief in human liberty. No greater. And our belief in human liberty is only ours when it is larger than ourselves. – Archibald MacLeish

Hui, das ist eine ganz schön komplizierte Aussage. Ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich verstanden habe, was gemeint ist, aber wenn man es einmal geblickt hat, ist es eigentlich nur logisch.

„We are only as great as our belief in human liberty“ – Wir sind nur so groß(artig), wie unser Glaube an die Freiheit des Menschen. Wenn unser Glaube an die menschliche Freiheit sich darauf beschränkt, dass jeder Mensch existiert (egal, für wie kurz oder lang), dann haben wir eigentlich nichts mehr zu tun. Wir können uns zurücklehnen und entspannt sagen: „Hab nichts zu tun; alle leben in Freiheit.“ Dann wäre das Große, dass wir vollbracht haben, noch am ehesten, überhaupt zu dieser – wenn auch nicht besonders sinnvollen – Erkenntnis gekommen zu sein.

Wenn unser Glaube an die Freiheit des Menschen jedoch über die Existenz eines solchen hinausgeht, haben wir noch weit mehr zu tun, bis wir uns zurücklehnen können. Wir müssen also Größeres vollbringen – wir müssen sozusagen noch „größer (oder großartiger) werden“ – bis wir zu dem Punkt kommen, an dem wir zufrieden sind.

Der nächste Teil des Zitates – „And our belief in human liberty is only ours when it is larger than ourselves.“ – geht ein bisschen mehr ins Detail. Es geht darum, was die Freiheit des Menschen eigentlich ist. Freiheit des Menschen – das ist ein Begriff, der von einer Masse, einer Spezies, von mehr als nur einem Lebewesen spricht. Wir können die menschliche Freiheit also nur begreifen, geschweige denn daran glauben, wenn wir verstehen, dass sie über uns hinausgeht und viele andere betrifft. Klingt für mich logisch.

Das ist nur meine Interpretation dieses Zitates – jeder muss ich eine eigene Meinung bilden, denke ich. Aber zumindest meiner Meinung nach, ist dieses Zitat sehr wahr.

Your silence will not protect you. – Audre Lorde

Schweigen kann ein bisschen sein, wie das Kaninchen im Scheinwerferlicht des heran rasenden Autos: es sitzt da, macht keinen Mucks, hält still. Wird es deshalb nicht überfahren? Nein, ganz im Gegenteil!

Genauso ist es mit Ungerechtigkeiten und Bedrohungen in der Welt. Nur, weil wir still dasitzen und es über uns ergehen lassen, wird es uns letztendlich nicht verschonen. Wenn unser Kaninchen anfängt zu rennen und zu versuchen, dem Auto zu entkommen, heißt das immer noch nicht zwangsläufig, dass es mit dem Leben davonkommen wird. Aber seine Chancen sind wesentlich besser, als zuvor, oder? Was haben wir also zu verlieren? Wir können uns verstecken und hoffen, dass die Krisen dieser Welt irgendwann vorübergehen oder wir können aufstehen und versuchen, etwas zu verändern und dabei vielleicht scheitern, vielleicht aber auch triumphieren. Wie war das noch gleich? „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagte Bertolt Brecht. Wie Recht er damit hatte!